Welchen Beitrag leisten Windkraftanlagen zur Energieversorgung?

Gute Frage. Fest steht: Die Wind­energie führt aktuell den deutschen Strom­mix an. Vor allem an Land stellt sie bereits jetzt die stärkste Energie­quelle in Deutsch­land dar, so das Fraunhofer-Institut für Solare Energie­systeme ISE. 2021 besaß die Wind­kraft einen Anteil von 23,1 Prozent an der Strom­erzeugung – vor Braun­kohle und Kern­energie. Doch um die ehrgeizigen deutschen Klima­ziele zu erreichen, will die Bundes­regierung ihren Ausbau jetzt massiv beschleunigen. Da ist schon jetzt reichlich Gegen­wind vorprogrammiert. Wir haben uns die Argumente der Wind­kraft­gegner*innen einmal angeschaut und den Tatsachen gegen­übergestellt.

Windrad im Sonnenuntergang

 

 

Ohne erneuerbare Energien kein Klimaschutz

Wind­kraft­anlagen werden künftig einen viel größeren Beitrag zur Energie­versorgung in Deutsch­land leisten müssen, daran besteht kein Zweifel. Doch seit Jahren stockt der Zubau neuer Anlagen, nicht zuletzt aufgrund des großen Wider­stands aus der Bevölkerung und der regionalen Politik. Statt vom Garten den Ausblick in die Natur zu genießen, versperren die „Spargel“, also die Wind­räder, die Aussicht. Sie verschandeln die Land­schaft, töten Vögel, werfen lästige Schatten, und ihr Infraschall macht krank. Das sind die gängigen Argumente, die Gegner*innen der Wind­kraft in Diskussionen hervorbringen.

Umstrittene Windkraft

Ein wenig verstehen kann man sie ja schon. Anfänglich waren Wind­kraft­anlagen nur etwa 40 Meter hoch. Inzwischen sind es mehr als 200 Meter. Wie gern hätten Sie einen solchen Riesen vor der Nase? Doch wenn alle so denken, wird das nichts mit dem baldigen Ausstieg aus den fossilen Energien und folglich mit den Klima­zielen. Statt uns von den eigenen unguten Gefühlen leiten zu lassen, schauen wir einmal auf die Fakten. Sind Wind­kraft­anlagen tatsächlich eine Gefahr für Natur und Gesund­heit? Halten die Argumente der Wind­kraft­gegner*innen bei genauerer Prüfung alle stand?

Windhose steht im Wind am blauen Himmel
Schlagschatten eines Windrads im Feld
Windkraftanlagen mit Lichtsignal bei Nacht

Schattenwurf beim Windrad stört die Anwohner

Was stimmt: Damit Wind­räder grünen Strom erzeugen können, müssen die Rotoren sich drehen. Und natürlich entsteht dabei ein Schatten­wurf, der allerdings von Faktoren wie Wetter, Wind­richtung und Sonnen­stand abhängt. Trifft der Schlag­schatten auf das Fenster eines Wohn­hauses, kann das durchaus irritierend sein. Genau deshalb unterliegt der Schatten­wurf der Rotor­blätter strengen Immissions­schutz­regeln. So muss zum Beispiel eine Wind­kraft­anlage vorüber­gehend abgeschaltet werden, wenn ihr Schlag­schatten länger als 30 Stunden pro Jahr beziehungs­weise 30 Minuten am Tag auf ein Wohn­haus fällt. So soll niemand übermäßig lange durch den Schatten­wurf beeinträchtigt werden und gleichzeitig können die Wind­kraft­anlagen einen Beitrag zur Energie|<versorgung leisten.

Warn­lichter in Wind­parks: Wie sehr beläs­tigen sie die Nachbarn?

Ob in einem Wind­park, oder einzeln, Wind­räder ab 100 Meter Gesamt­höhe müssen nachts durch Licht­signale auf sich aufmerksam machen. Das ist für die Flug­sicherung in Deutsch­land so vorgeschrieben. Viele Menschen in der näheren Umgebung empfinden das Blinken als störend. Der Gesetz­geber hat darauf reagiert: Bis Ende 2022 müssen alte und neue Wind­räder mit speziellen Lichtern ausgestattet werden. Sie dürfen nur aufleuchten, wenn sich ein Flug­objekt nähert. Die neue Technik soll die Licht­aktivität um rund 90 Prozent senken.

 

Ausbau der Windkraft rückläufig – Energiewende in Gefahr?

Im Jahr 2021 wurden 19,7 Prozent des deutschen End­energie­verbrauchs in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr aus erneuerbaren Energien gedeckt. Bei der grünen Strom­erzeugung leistete die Wind­energie mit 113,8 Mrd. kWh den größten Beitrag. Viele Experten sind sich einig: Das alles reicht nicht, um das neue deutsche Klima­ziel zu erreichen. Danach soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto­strom­verbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Laut Bundes­ministerium für Wirtschaft und Klima­schutz müssten hierzu jedes Jahr unter anderem 1.500 bis 2.000 neue Wind­räder ans Netz gehen. Die Realität sieht anders aus, deutschland­weit wurden im ersten Halbjahr 2022 nur 311 neue Wind­räder genehmigt. Verglichen mit früheren „starken“ Wind­kraft­jahren ist das ein riesiger Rück­schritt, der die Energie­wende in Gefahr bringt. Immerhin: Während in manchen Bundes­ländern im ersten Halbjahr 2022 fast keine neuen Wind­räder genehmigt wurden, bildet Nordrhein-Westfalen mit 79 Anlagen die Speer­spitze.

 

Energetische Kosten für ein Windrad sind schnell wieder drin

Für die Wind­kraft spricht nicht zuletzt ihre Öko­bilanz. Eine Wind­turbine an Land hat sich nach drei bis sieben Monaten energetisch amortisiert. Heißt: Dann hat sie bereits so viel Energie geliefert, wie für ihre Herstellung, ihren Betrieb und ihre Entsorgung notwendig sind. Und auch die schwere Energie­krise, die wir infolge des russischen Angriffs­kriegs auf die Ukraine gerade erleben, führt uns vor Augen: Jede Kilo­watt­stunde Strom, die wir aus Wind, Sonne oder Bio|<masse erzeugen, ist nicht nur ein Gewinn fürs Klima, sondern sie macht uns auch unabhängiger von Energie­importen aus auto­kratischen Staaten.

 

Gesundheits­risiko Wind­energie: Was ist dran an der Infra­schall-Theorie?

Infra­schall ist ein Schall mit sehr niedrigen Frequenzen unterhalb von 20 Hertz. Sein Einsatz ist in Deutsch­land im Rahmen der Lärm­schutz­verordnung geregelt. Sie gibt vor, welche Lärm­belastung in Wohn­umgebungen erlaubt ist. Die Infra­schall-Emissionen von Wind­rädern liegen deutlich unter der Grenze dessen, was Menschen wahr|<nehmen können und werden meist von anderen Geräuschen wie Wind übertönt. Trotzdem hält sich hart­näckig der Glaube: Durch Wind­energie erzeugter Infra­schall könne krank machen. Mehrere Studien haben das inzwischen widerlegt.

Wie stark gefährden Windparks und Windräder die Vogelwelt?

Windrad und Vogel - Gefahr?

Jedes Jahr kollidieren in Deutsch­land zwischen 10.000 und 100.000 Vögel mit Wind­rädern. Das entspricht bei bundes­weit rund 28.000 Wind­rädern an Land einer Quote von unter einem Vogel bis etwa vier Vögeln pro Anlage und Jahr. Zum Vergleich: 100 bis 115 Millionen Vögel sterben jährlich an den Fenster­scheiben von Gebäuden, etwa 70 Millionen durch Straßen- und Bahn­verkehr und 20 bis 100 Millionen durch Haus­katzen.

Doch obwohl andere Faktoren für die meisten Vögel weitaus gefährlicher sind, geraten sie eben auch in die Rotoren von Wind­kraft­anlagen oder fliegen gegen den Beton­mast. Bei der Planung der Wind­räder wird daher ein Mindest­abstand zu Nist­plätzen besonders gefährdeter Arten empfohlen. Gut­achter prüfen das. Außerdem sollen Wind­räder möglichst nicht die Flug­route der Vögel behindern. Experten arbeiten an Systemen, die das Wind­rad abschalten, sobald Vögel sich nähern. Auch Farben können helfen: Bei manchen Anlagen ist der Mast grün oder braun eingefärbt, sodass die Tiere ihn besser erkennen.

Windenergie im Winter: Lässt Eis das Windrad stillstehen?

Windrad im Winter

Im Winter sieht man einzelne Wind­räder zeit­weise still­stehen. Der Grund: Ihre Rotor­blätter vereisen. Auswirkungen auf die Strom­versorgung in Deutsch­land hat das aber nicht. Beispiel: Als am 6. und 7. Februar 2021 die Temperaturen in Teilen Deutsch|<lands auf -18 Grad sanken, lagen die Strom­erzeugungs­mengen aus Wind sogar über dem Monats­mittel, berichtete der Bundes­verband Wind­energie. Vereiste Wind­räder werden im Übrigen automatisch abgeschaltet. Das soll verhindern, dass Eis herabfällt und Menschen gefährdet. Achten Sie bei Winter­spazier­gängen in der Nähe von Wind­rädern deshalb auf entsprechende Warn­schilder.

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