Zu Schade für die Tonne

313 Kilogramm genießbare Lebensmittel landen in Deutschland auf dem Müll – und das jede Sekunde!

 

Dabei gibt es viele Möglichkeiten gegen diese Verschwendung vorzugehen – ob auf dem Acker, im Supermarkt oder in der eigenen Küche. 

altes Obst ist noch essbar

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit nimmt stetig zu – zum Glück! Und dennoch werfen wir oft gedankenlos Lebensmittel in die Tonne. Warum?
Wir kaufen zu viel, sind zu wählerisch und möchten kein Obst mit braunen Stellen. Essen würden wir nichts, was das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat. Ob es normal aussieht, riecht oder gar schmeckt ist uns egal. Wir tun all dies ,,zur Sicherheit‘‘. Doch muss das wirklich sein? Und welche Folgen hat diese Vergeudung eigentlich?   

Keine krummen Sachen

Im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 75 Kilogramm Lebensmittel weg. Hört sich gar nicht so schlimm an, multipliziert mit der Einwohnerzahl landen wir bei rund 12 Millionen Tonnen verschwendeter Lebensmittel. Das macht in der Summe circa 20 Milliarden Euro, die, wenn man es so will, auch in der Tonne landen. Doch was noch schlimmer ist als der finanzielle Schaden, ist die Misswirtschaft unserer wichtigen Ressourcen - von Wasser über Energie bis hin zu Ackerflächen. Zum Beispiel werden mit jedem Kilo nicht verzehrten Brots rund 1.600 Liter Wasser vergeudet, die zur Herstellung benötigt werden­­ und knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen werden für später weggeworfene Lebensmittel ,,genutzt‘‘. Ferner ist die globale Lebensmittelverschwendung sogar für acht Prozent der Treibhaus­gasemissionen­­ verantwortlich.   

 

Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, so gibt es zahlreiche­  Ursachen für das Entsorgen der Lebensmittel. Die Verschwendung beginnt bereits in der Landwirtschaft. Auf den deutschen Feldern ist es längst zum Alltag geworden, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wenn diese nicht den Marktbestimmungen entsprechen. Warum? Der Handel wird den Bauern die ,,krumme Ware‘‘ sowieso nicht abnehmen und tun sie es doch, so­ ver­schimmelt­ ein Großteil der entsprechenden Ware in der Obst- und Gemüse­abteilung im Supermarkt. Der Verbraucher möchte meist nur eine perfekt aussehende Gurke in seinen knackigen Salat schnippeln. 

 

Doch natürlich sind es nicht alle, die nach diesem Schema agieren. Ein Vorbild ist der Supermarkt EDEKA Otto in Bad Oeynhausen. Der Geschäftsführer Alexander Otto hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Reduzierung der unnötigen Lebensmittelverschwendung zu er­reichen­.­ ­ Neben der wöchentlichen Abgabe an die Tafel von aus­gemusterter Ware, stellt Otto eine Selbstbedienungskiste voll aussortiertem Obst und Gemüse vor seinen Supermarkt. Verbraucher dürfen die dortigen Lebensmittel umsonst mitnehmen. Sorgen um damit einhergehende Geschäftseinbußen seien Nonsens und nicht zu verzeichnen, so Otto. 

In den eigenen vier Wänden beginnen

Angefangen in der Landwirtschaft, macht die Lebensmittelverschwendung in den eigenen vier Wänden keinen Halt. Oft werfen wir Lebensmittel weg, nur weil das aufgedruckte Datum auf der Verpackung überschritten wurde. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist allerdings kein Verfalls- oder Verbrauchsdatum. Es gibt nur an, bis wann ungeöffnete Produkte bei sachgerechter Aufbewahrung auf jeden Fall noch verzehrbar sind. Bei richtiger Lagerung sind die Waren auch danach häufig noch gut zu genießen. Einfach aufmachen, anschauen, riechen und schmecken. Das spart nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern auch jede Menge Haushaltsgeld. Ungenießbare und verdorbene Ware sollte natürlich weggeschmissen werden – insbesondere bei Schimmelbildung. Doch soweit müssen Sie es gar nicht erst kommen lassen! Mit einfachen Tipps können Sie dazu beitragen, dass weniger in der Tonne landet: Sie sollten sich Zeit für die Planung Ihres Einkaufes nehmen, anstatt Impulskäufe zu tätigen oder frei nach dem Motto ,,lieber zu viel, als zu wenig‘‘ zu konsumieren. Ist dieser Schritt getan und der Einkauf getätigt, geht es an die richtige Lagerung von Ware. Auf der Website des Bundeszentrum für Ernährung wird Ihnen eine lebensmittelgerechte Lagerung gezeigt. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen und Sie entdecken dennoch braune Stellen an Obst und Gemüse oder haben Produkte mit kurzem MHD, dann schauen Sie mal auf der Website “Zu gut für die Tonne” vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorbei. Sie werden staunen, was Sie Kreatives und Leckeres aus Ihren Resten zaubern können.

Gemüse nicht wegwerfen

Nachhaltigkeit im großen Stil

Der Handel, die Gastronomie, aber auch die Hotellerie beschäftigen sich immer mehr mit dem Thema Lebensmittelverschwendung und wie man dagegen angehen kann. Die App “Too good to go” kooperiert mit Restaurants, die für einen kleinen Obolus Essen anbieten, welches übrig geblieben ist und am nächsten Tag nicht mehr verkäuflich wäre.
Eine weitere Methode Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, ist die Ausgabe von kleineren Tellern an Buffets. Häufig schaufeln sich Gäste ihre Teller zu voll und lassen Essen übrig. Das Prinzip des verringerten Tellerumfangs hat sich schon bei einigen bewährt. Und nicht nur der Handel vergibt Essen an die Tafeln in Deutschland, immer mehr Restaurants und Hotels schließen sich dem wohltätigen Zweck an. Ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. Doch es geht noch konsequenter: In Frankreich wurde 2016 ein Gesetz verabschiedet, dass Supermärkte mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern verpflichtet sind, eine Partnerschaft mit einer Hilfsorganisation abzuschließen, die unverkaufte Lebensmittel abnimmt. Tschechien folgt diesem Beispiel seit 2018. Wir finden diese Maßnahme vorbildlich und hoffen ein ähnliches Konzept auch bald hierzulande vorzufinden.

Guten APPetit!

Wie Sie dem Text entnehmen konnten, können Sie ganz bequem über die App ,,Too good to go‘‘ überproduziertes Essen beziehen. Damit tragen Sie nicht nur zum Kampf gegen Lebensmittelverschwendung bei, sondern sparen zudem noch Geld. Wenn das nicht eine klassische Win-Win-Situation ist. Doch diese App steht nicht allein auf weiter Flur. Immer mehr nehmen den Kampf gegen die Lebensmittel­­verschwendung auf. Weitere Beispiele sind die Apps ResQ Club, Etepetete oder EatSmarter.

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