Frühlingsgefühle im Sommer

Sommerzeit ist Schwarmzeit! Denn erst dann entwickeln unsere Bienen ,,Frühlingsgefühle‘‘. Was das genau bedeutet und warum es mit viel Arbeit für Imker Sebastian verbunden ist, wird er uns im Folgenden erklären.

Schon morgens, als ich mich auf den Weg zu meinen Bienen mache, strahlt die Sonne am Himmel. Das Summen der Bienen ist aus weiter Entfernung zu hören. Es ist viel lauter als üblich und einen kurzen Augenblick später ent­decke ich den Grund dafür: Ein Volk folgt seinem natürlichen Vermehrungs­trieb und beginnt zu schwärmen.

 

Es liegt vermutlich an den warmen Tagen: Die hohen Temperaturen haben bewirkt, dass sich die Völker rasant und gut entwickeln konnten. Durch die optimalen Gegebenheiten gelangten die Bienen an viel Nektar und Pollen. Die legefreudige Königin und genügend männliche Bienen haben ebenfalls ihren Beitrag geleistet. Die Folge: im Bienenstock wird es eng – zu eng. Die Konsequenz: Das Volk beginnt mit der Bildung von Weiselzellen (sie sehen aus wie Erdnüsse), aus denen neue Königinnen schlüpfen werden.

 

Bildung von Weiselzellen

Die Königin fliegt davon

Kurz bevor die erste neue Königin schlüpft, beginnt das Schwärmen. Die alte Königin verlässt, gemeinsam mit dem Großteil des Volkes, den Bienenstock und begibt sich auf die Suche nach einer neuen Behausung. Dieser Anblick ist unglaublich: Innerhalb weniger Minuten schießen tausende Bienen torpedoartig aus dem Kasten und verdunkeln den Himmel.

 

Nach dem rasanten Verlassen des Bienenstocks sammeln sich die Bienen an einem Ort. In der Regel handelt es sich dabei um Bäume oder Sträucher, aber auch Häuser oder gar Autos können als Sammelstelle dienen. Dort warten die Bienen, bis die Suchbienen zurückkehren, um alle in ihr neues Zuhause zu führen.

Sammelstelle

Die Suche nach dem Schwarm

Um den Schwarm nicht entkommen zu lassen, muss man schnell sein - sonst ist er auf und davon. Zum Glück bin ich heute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und es kommt noch besser: Der Schwarm sammelt sich an einem nahen Baum. Meine Aufgabe ist es nun, die Bienen wieder einzufangen. Ich halte einen großen Eimer unter den Schwarm und schlage kräftig gegen den Ast. Die Bienen fallen im Nu in meinen Eimer. An dieser Stelle könnt ihr euch vorstellen, wie gut ich im Klettern bin 😉.

 

Nach dem Einfangen muss ich eine Entscheidung treffen: Entweder setze ich den eingefangenen Schwarm in einen neuen Bienenstock, oder ich entferne die Königin und setze die übrigen Bienen wieder zurück in ihr ursprüngliches Zuhause. Auch wenn es mir schwerfällt, ich entscheide mich für die zweite Option. Die Königin ist nämlich schon einige Jahre alt und ich wollte sie ohnehin auswechseln.

 

Ich breite die Bienen auf einer Plane aus und suche nach dem farbigen Pünktchen, mit welchem die Königin markiert ist. Diese Variante probiere ich zum ersten Mal aus. Freundlicherweise bekomme ich dabei Unterstützung von Opa, dem erfahrenen Imker in Rente 😊.

Suche nach der Königin

Schwarmbildung verhindern

Sobald die Königin entfernt ist, fliegen die übrigen Bienen zurück zu ihrem ursprünglichen Zuhause.

 

In wenigen Tagen wird nun die erste Jungkönigin schlüpfen und ihre ersten Eier legen.

 

Natürlich trifft man Vorkehrungen, um eine Schwarmbildung zu verhindern (aber wie man sieht, klappt es nicht immer):

  1. Genügend Platz ist besonders wichtig. Ein Volk benötigt ihn, um seinem Bautrieb nachzukommen.
  2. Falls nötig, entferne ich eine Wabe mit Brut aus dem Volk, bei dem es zur Schwarmbildung kommen könnte und setze sie in ein kleineres Volk.
  3. Wenn ich Anzeichen von Weiselzellen finde, muss ich jede Wabe untersuchen und die Zellen entfernen. Wahrscheinlich habe ich an der Stelle zu oberflächlich gearbeitet und eine Zelle übersehen.

 

Doch wie heißt es so schön: aus Fehlern lernt man.

die Bienen sind zurück in ihrem Stock

Bildrechte

Sebastian Hellmund

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