Die Honigbienen und ihr eindrucksvoll emsiges Leben

Jedes Jahr aufs Neue produzieren Bienen tonnenweise Honig – unter Imkern auch als ,,süßes Gold‘‘ bekannt. Von dem äußerst leckeren (und klebrigen) Schatz wollen nicht nur die Bienen was haben – vor allem wir Menschen haben großen Gefallen daran gefunden. Was unsere fleißigen Bienchen alles dafür leisten müssen, das erfahrt ihr hier…

Die erfahrensten und ältesten Bienen eines Volkes sind für das Sammeln des Blütennektars zuständig. Dafür saugen sie mit ihrem Rüssel den Nektar auf und sammeln ihn in ihrem Honigmagen. Diese Prozedur wiederholen sie bis zu zehn Mal täglich und entfernen sich dabei maximal drei Kilometer von ihrem Bienenstock. Das ist jedoch nicht die einzige Aufgabe der erfahrenen Honigbienen – sie tragen zudem Blütenpollen in den Stock ein. Die Pollen bilden dabei gelbe Klumpen an den Hinterbeinen und werden als Pollenhöschen bezeichnet. Tragen die Bienen also ihre Pollenhöschen und sind die Mägen voll mit Honig, kehren sie zurück zu ihrem Stock.

Honigbiene schwärmt aus

Bevor die Sammlerbiene erneut ausschwärmt, übergibt sie den Blütennektar aus ihrem Honigmagen an eine Stockbiene. Diese reicht ihn wiederum weiter. Bei jeder weiteren Übergabe reichert sich dabei der Nektar mit Enzymen, Eiweißen, Säuren und anderen Stoffen an. Auch wird dabei dem Blütensaft Wasser entzogen. Wenn der Wassergehalt des Nektars bei etwa 35% liegt, lagern die Bienen ihn in Zellen ab und fächeln mit ihren Flügeln so lange, bis weitere ca. 20°% Wasser verdunstet sind. Ist dies geschehen, so ist aus dem Nektar Honig geworden. Zur Konservierung verschließen die Bienen die Zellen mit einem Wachsdeckel.

 

In Sachen Reinheit kann man den Honigbienen übrigens nichts vormachen. Sie verrichten ihre Notdürfte nur außerhalb des Stocks und auch zum Dahinscheiden verlassen sie diesen. Dies sind Gründe dafür, dass der Honig so gut genießbar ist. 

 

Work-Life-Balance ist für die Biene ein Fremdwort. In ihrem kurzen Leben, das bereits nach 35 Tagen endet, arbeitet sie fast ausschließlich. Frisch geschlüpft (nach rund 21 Tagen) warten die ersten Aufgaben auf das Bienchen: Putzdienst, Larven füttern und Waben bauen. Im Anschluss daran ist sie für Honigzubereitung und Polleneinlagerung, also den Wintervorrat, zuständig. Als nächstes schiebt sie Wachdienst am Flugloch und schwärmt schließlich als Sammlerbiene aus. Die letzte Aufgabe ist die anspruchsvollste aller Aufgaben und saugt ihre letzte Kraft.

 

All diese Tätigkeiten werden ausschließlich von weiblichen Arbeitsbienen vollzogen. Die männlichen Bienen, die Drohnen, haben einzig und allein die Aufgabe der Fortpflanzung zugeteilt bekommen (manch männlicher Vertreter unter uns Menschen wird da vor Neid wohl erblassen 😉). Ist die Aufgabe erfüllt, werden die Drohnen einfach ,,entsorgt‘‘ und aus dem Stock geworfen (hier wiederrum wird wahrscheinlich so manche Frau neidisch auf die Honigbienen 😉).

 

Die Hauptsaison der Fortpflanzung ist Mai/Juni. Werden die ersten Drohnen aus dem Volk geworfen, neigt sich das Bienenjahr dem Ende zu. Da die Drohnen ihre Pflicht erfüllt haben, gibt es keinen guten Grund für die weiblichen Bienen, die Mitesser zu behalten. Versuchen die Drohnen zurück in den Stock zu gelangen, so werden sie erfolgreich von den Wächterbienen ferngehalten. Die Wächterbienen wehren übrigens auch andere potenzielle Honigräuber aus anderen Bienenvölkern oder auch Wespen, ab.

Bienenkönigin

Die absolute Superrolle der Bienen ist natürlich die der Königin. Anstatt nur 35 Tage mit stetiger Arbeit zu verweilen, um dann zu verenden, lebt sie zwischen drei und fünf Jahren. Sie schlüpft nach circa 16 Tagen und sieht ,,besser‘‘ aus als ihre Untertanen – größer und dicker. Um sie dreht sich alles. Ein Volk ohne Königin kann nicht überleben, denn sie sorgt für den Nachwuchs. Und über die Abgabe von Botenstoffen, den sogenannten Pheromonen, steuert sie die gesellschaftliche Ordnung im Stock. Doch auch die Königin, braucht ihre Gefolgsleute. Ohne ihre Untertanen würde sie vielleicht ein paar Stunden überleben. Das wichtigste dabei sind die sozialen Kontakte. Wenige Bienen überleben gemeinsam ein paar Tage. Erst ein ganzes Bienenvolk macht das Leben einer Biene vollständig und lebenswert. Schwinden so langsam ihre Kräfte, hat die Bienenkönigin ein erfülltes Leben hinter sich und sie sendet Zeichen an ihre Arbeiterinnen aus, um ihnen klar zu machen, dass eine neue Königin her muss. Trifft dies ein, beginnen die Arbeiterinnen eine neue Königin aufzuziehen (wie das funktioniert haben wir ja schon berichtet).

 

Ist das Bienenjahr vorbei und die kalten Jahreszeiten beginnen, reduzieren die Honigbienen ihre Volksstärke und fahren ihren Stoffwechsel runter. Sie kuscheln sich gemeinsam in ihren Brutraum zu einer Traube zusammen, in der Mitte die Königin. Beginnt der Frühling, haben diese Bienen ihre Arbeit erledigt und scheiden aus. Dann beginnt der Kreislauf wieder von vorn.

Schon gewusst?

Das Imkerhandwerk reicht tausende Jahre zurück. Die erste staatliche Imkerschule wurde jedoch erst Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet.

Es ist enorm wichtig, dass wir die Biene vor dem Aussterben bewahren. Ohne ihre Bestäubungsleistung gäbe es dramatische Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Um Albert Einstein zu zitieren: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Imkern

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