Der Wachskreislauf

In den kalten Wintermonaten verbringe ich viel Zeit in meinem warmen Keller und bin umgeben von einem wunderbaren Duft. Wenn ihr jetzt an Honig denkt, seid ihr auf der falschen Fährte. Zu dieser Jahreszeit kümmere ich mich nämlich um das Bienenwachs, genauer: um den Wachskreislauf. Wenn ihr wissen möchtet, was es damit auf sich hat, dann lest einfach weiter.

Die emsigen Bienen produzieren nicht nur Honig, sondern auch Wachs, mit dem sie ihre Waben bauen. Zu Beginn sehen diese Waben sehr schön aus und haben einen hellgelben Farbton. Durch das Bebrüten und die damit einhergehende Einlagerung von Schmutz wird die Wabe jedoch bräunlich-schwarz. Dann wird es Zeit für mich, die ,,alten‘‘ Waben aus dem Stock zu entfernen und durch saubere Wachsmittelwände zu ersetzen. Die schmutzigen Waben werfe ich allerdings nicht weg, sondern reinige sie. Ebendiesen Prozess nennt man den Wachskreislauf.

 

Wir Imker haben verschiedene Möglichkeiten, um an neues Wachs zu gelangen. Das meiste Wachs gewinnen wir durch den Wachskreislauf. Darüber hinaus gibt es noch das bei der Honigernte anfallende „Entdeckelungswachs“. Die einzelnen Zellen einer Honigwabe sind mit Wachs verschlossen. Um den Honig aus der Wabe zu bekommen, nutzt man eine Art Kamm, mit dem das Wachs vorsichtig entfernt und für die weitere Nutzung aufgehoben wird. Daher auch der Name des Wachses.

Als letzte Quelle dienen ausgebaute Drohnenrähmchen. Dies ist aber ein so ausführliches Thema, dass es in einem späteren Beitrag extra thematisiert wird.

 

Heute erkläre ich erst einmal den weiteren Prozess: Wenn ausreichend Wachs „gesammelt‘‘ wurde, muss man es vor der Weiterverwendung reinigen. Dafür nutze ich einfach die Kraft der Sonne in Form eines Solarschmelzers. Ich lege die zu reinigenden Waben in den Behälter und die Sonne erledigt den Rest. Das Wachs läuft durch ein Gitter in einen Auffangbehälter, wodurch grobe Verschmutzungen direkt entfernt werden. Im Anschluss wird das noch flüssige Wachs durch ein Baumwolltuch oder feine Siebe gefiltert und abgekühlt. Dieser Prozess wird so oft wiederholt, bis der Wachsblock so sauber ist, dass daraus neue Mittelwände gegossen werden können, die im nächsten Frühling zum Einsatz kommen werden.

 

Ich könnte mir die Arbeit übrigens auch sparen und mir fertige Mittelwände kaufen. Dies wäre jedoch viel zu schade um das verschwendete Wachs. Außerdem gab es in der Vergangenheit häufig das Problem, dass in gekauftem Wachs schädliche Stoffe, wie beispielsweise Pestizide, gefunden wurden. Die Konsequenz daraus ist das Sterben der Bienenvölker. Diesem Risiko möchte ich meine Bienen nicht aussetzen. Darüber hinaus gehört der Wachskreislauf einfach zum Imkern dazu. Mir fallen spontan viele Dinge ein, die schlimmer sind, als vom Geruch des Bienenwachses umgeben zu sein.

Hier seht ihr meinen Arbeitsplatz.

Rustikal, aber zweckdienlich!

mein Arbeitsbereich

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