Gasumlage: Was die neuen Umlagen kosten und was sie bringen

Vom 1. Oktober 2022 an wird Erdgas für Privat­haushalte und auch Unter­nehmen noch­mals teurer: Um die Gas­wirtschaft zu stabili­sieren und die Versorgungs­sicherheit in Deutsch­land weiterhin zu gewähr­leisten, hat die Bundes­regierung zwei neue Umlagen eingeführt, die die Gas­preise zusätz­lich stark belasten.

Warum werden die Umlagen ein­geführt, was sollen sie be­zwecken und wie wirken sie sich aus? Wir versuchen hier, alle Fragen ohne Fach­chinesisch zu beant­worten.

Was bezweckt die Gasumlage?

„Wenn die Verluste zu groß sind, droht die Insolvenz dieser Unternehmen und damit der Zusammen­bruch der Gas­versorgung von privaten und gewerblichen Verbrauchern insgesamt.“

Bundeswirtschaftsministerium

Die Gasversorgung muss gesichert werden

Die Gas­beschaffungs­umlage (Kurzform: Gasumlage), die von der Bundes­regierung Anfang August per Verord­nung beschlossen wurde, müssen alle zahlen, die Erdgas verbrauchen. Bewirken soll sie, dass die Importeure von Erdgas nicht zahlungs­unfähig werden und dadurch die gesamte Versorgung gefährdet wird. 

Wie sieht es derzeit auf dem Gasmarkt aus?

Die aus­bleibenden Gas­mengen aus Russland haben die Preise im Gas­handel welt­weit stark an­steigen lassen. Um ihre Kunden wie vertrag­lich zuge­sichert zu beliefern, müssen Gas­importeure die fehlenden Mengen woanders beschaffen. Auf den Märkten zahlen sie jedoch deutlich mehr, bis zum Zehn­fachen des Vor­krisen­niveaus. Und aufgrund vertrag­licher Rege­lungen können sie diese stark erhöhten Kosten nicht weitergeben.

Was hat die Politik bisher getan?

Schon Ende März 2022 hat das Bundes­ministerium für Wirtschaft und Klima­schutz (BMWK) angesichts leerer Gasspeicher in Deutschland die Früh­warnstufe des Notfall­plans Gas ausgerufen, seit Juni gilt die zweite, die Alarm­stufe. Zwischen April und Juli wurden das Energie­wirtschafts­gesetz und das Energie­sicherungs­gesetz mehr­fach geändert, um der neuen Lage Rech­nung zu tragen. Außer­dem ist ge­plant, die Mehr­wert­steuer für Erd­gas vorüber­gehend auf 7 Prozent abzu­senken.

Wie gehen die Gasimporteure mit der Situation um?

Weil sie die enormen Preis­aufschläge gar nicht oder nur verzögert weiter­geben können, droht Gas­impor­teuren sehr schnell die Zahlungs­unfähigkeit. Zum Beispiel Uniper, die viele Stadt­werke in ganz Deutschland beliefert. Würde das Unter­nehmen kein Gas mehr kaufen, stünden auch die kommunalen Energie­versorger mit leeren Händen da, trotz bestehender Verträge und Liefer­pflichten.

Muss nicht der Staat bei den Gashändlern eingreifen?

Das hat er bereits getan und Uniper Ende Juli mit einer milliarden­schweren Unter­stützung vorüber­gehend vor der Insol­venz gerettet. Zudem hat der Bund sich an dem Unter­nehmen beteiligt und 30 Prozent der Aktien erworben. So bleiben die Liefer­ketten bis auf Weiteres im Wesent­lichen erhalten.

Warum dann noch die Umlage?

Auf Dauer kann und will der Staat den Markt nicht finan­zieren und erwartet eine Beruhigung der Märkte. Zudem sollen die höheren Preise Spar­anreize setzen. Vom 1. Oktober an werden 90 Prozent der Mehr­belastung über die Gas­beschaffungs­umlage an die Verbraucher­innen und Verbraucher weiter­gegeben. 10 Prozent seiner Mehr­kosten werden dem Gas­handel auf­gebürdet. Zusätz­lich zur Umlage fällt darauf auch noch Umsatz­steuer in Höhe von 19 Prozent an, so der aktuelle Stand der Verord­nung am 15.08.2022.

Was bezweckt die Gasspeicherumlage?

Nach dem neuen Gas­speicher­gesetz sollen die Füll­stände am 1. Oktober 85 Prozent betragen, am 1. November 95 Prozent und 40 Prozent am 1. Februar 2023.

Die Gasspeicher müssen gefüllt werden

Um die Gas­versorgung insbe­sondere im kommenden Winter zu sichern und starke Preis­ausschläge zu dämpfen, muss Deutschland die Gas-Reserven aufstocken. Deshalb hat die Bundes­regierung alle Betreiber von Gasspeicher­anlagen hier­zulande verpflichtet, diese schritt­weise zu füllen. Um die mit den Verpflichtungen verbundenen Kosten zu decken, hat der Gesetz­geber gemäß § 35 e Energie­wirtschafts­gesetz (EnWG) die neue Gas­speicherumlage eingeführt, die ab 1. Oktober 2022 erhoben wird.

 

Gab es keine besseren Alternativen zu den Gasumlagen?

Im schlimm­sten Fall wäre ohne Beschaffungs­umlage die Gas­versorgung insgesamt gefährdet. Müsste nur zahlen, wer tatsächlich russisches Gas nutzt, hätte dies zu starken regionalen und wirt­schaftlichen Ungleich­gewichten geführt. Die mit dieser Umlage beschlossene „saldierte Preis­anpassung“ will die Last bewusst auf viele Schultern verteilen.

Anderer­seits hat sich die Ampel­regierung auch weder auf einen Gas-Preisdeckel noch auf eine Über­gewinnsteuer verstän­digen können. Solche Rege­lungen haben einige EU-Staaten getroffen. Entlastungen für finan­ziell schwächer Gestellte sind vor­gesehen, aber noch nicht beschlossen.

Was folgt aus den Gasumlagen?

Die unmittelbare Folge sind höhere Preise – Haushalte und Unternehmen müssen mehr für ihren Gasverbrauch zahlen, ihre finanzielle Belastung steigt, schon vom 1. Oktober 2022 an.

Bei einem Jahresverbrauch von beispielsweise 20.000 kWh können sich allein aufgrund der Gasbeschaffungsumlage jährliche Mehrkosten von 576 € ergeben. Für die Gasspeicherumlage kommen dann noch 14 € dazu.

Beide Umlagen können alle drei Monate anhand der tatsächlichen Kostenhöhe aktualisiert werden. Die Gasbeschaffungsumlage ist bis zum 1. April 2024 befristet, die  Gasspeicherumlage bis zum 1. April 2025.

 

Die Gaspreise steigen deutlich

Die Gasbeschaffungsumlage beträgt derzeit 2,88 ct/kWh brutto. Die neue Gasspeicherumlage liegt mit aktuell 0,07 ct/kWh brutto deutlich darunter.

Was heißt das für Westfalica und ihre Kund*innen?

Auch Westfalica bekommt die neuen Umlagen in Rechnung gestellt und muss sie an ihre Kund*innen weiter­geben. Die Höhe der Umlagen wird regel­mäßig geprüft und an­gepasst – das kann teurer, aber auch preis­werter werden. Darüber hinaus werden wir weiter­hin alles tun, um Nach­teile für unsere Gas-Kund*innen abzu­wenden.

Die meisten Kund*innen erhalten in Kürze ihre dies­jährige Jahres­verbrauchs­abrechnung. Mit dieser erhalten Sie auch einen neuen Abschlags­plan, der alle bekannten Preis­steigerungen berück­sichtigt. Für eine korrekte Abrechnung muss der Zähler­stand nicht abgelesen werden. Wie seit Jahren bewährt, wird er rech­nerisch abgegrenzt.

Übrigens: Kunden, die noch eine Preis­garantie in ihren Verträgen haben, müssen die Umlagen eben­falls entrichten. Grund­lage für die Weiter­gabe der Umlagen sind die verein­barten AVB. Die beiden neuen Umlagen waren bei Vertrags­abschluss nicht bekannt und können somit weiter­gegeben werden.

Weniger heizen ist die Devise
Es gibt viele Tipps, zu Hause Energie zu sparen
Gemütlich und sparsam - das geht

Das können Sie jetzt tun: Energie sparen!

Die hohen Heiz­kosten werden Mieter und Eigen­tümer gleicher­maßen belasten. Die wirksamste Gegen­maßnahme in diesen unsicheren Zeiten ist: Energie sparen! Jede nicht verbrauchte Kilowatt­stunde Strom, jedes Grad Raum­temperatur weniger hilft Ihnen dabei, kurz­fristig die Energie­kosten in Ihrem Zuhause auf ein erträgl­iches Niveau zu senken. Je mehr Menschen mitsparen, desto eher lässt sich diese Krisen­zeit über­stehen. In unserem Westfalica-Magazin unter der Rubrik „Energie“ und auf unserer Homepage finden Sie online jede Menge Energiespartipps, die sich einfach um­setzen lassen und dabei nichts oder nur wenig kosten. 

 

Wir informieren Sie aktuell zur Lage

Sie möchten wissen, was auf den Energie­märkten passiert, wie die Politik darauf reagiert und wie Sie als Ver­braucher*innen von alldem betroffen sind? Auf einer zentralen Sonder­seite fasst unsere Konzern­mutter GELSENWASSER AG* das Wichtigste zur aktuellen Gasmarktlage für alle Interes­sierten zusammen und informiert Sie laufend über neue Ent­wicklungen.

 

Der Energiemarkt ist derzeit sehr labil

*Warum dort und nicht bei Westfalica? Der Grund ist einfach: Da zum Unternehmens­verbund der GELSENWASSER AG noch weitere Energie­unternehmen und -beteiligungen gehören, ermöglicht diese Sammel­seite eine schnellere Reaktion und Informations­bereitstellung, als wenn Dutzende von einzelnen Seiten angepasst werden müssten. Außerdem können wir so von dem gebündelten Wissen und den Kontakten zu Verbänden und Politik aller Unter­nehmen profitieren.

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